(Translated from the original English version)
*Hier benutze ich den Begriff europaischen Expansion, um den kolonialen Begriff Entdeckung zu vermeiden.
* Das Wort Trauma kommt aus dem Grieschichen und bedeutet Wunde, Schmerz oder Verletzung.
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GRADAKILOMBA
DAS N-WORT
Als ich diesen Text schrieb, musste ich zunächst überlegen, wie ich das N-Wort benutzen kann, denn das Wort ist schmerzhaft. Wenn ich in diesem Artikel statt des Euphemismus ‘N-Wort’, den Begriff ‘N.’ ausschreibe, dann, um ihn zu dekonstruieren. Das ist eine für mich schwierige Entscheidung, verletzend sogar, denn das N-Wort ist kein neutrales Wort, es ist ein weißes Konzept – ein Begriff, der mich in eine koloniale Ordnung festschreibt.
I. TRAUMA
Schwarze Menschen und People of Color sind damit jedoch tagtäglich konfrontiert. Wir müssen nicht nur auf einer individuellen Ebene, sondern auch auf einer historischen und kollektiven Ebene, mit den Traumata des Kolonialismus umgehen, da Altagsrassismus eine Reinszinierung kolonialer Szenen ist, die uns Diskurse der Unterlegenheit und Entfremdung aufwiederzwingt.
II. SCHWARZE VENUS vs. SCHWARZE SKLAVIN
Die Wortkombination ‘schöne N.’ ist vieldeutig, da ein positives Wort: ‘schön’ vor einem traumatischen: ‘N.’ steht. Es ist ein Spiel süßer und bitterer Worte, das es schwer macht, Rassismus zu identifizieren. Kathleen wird ‘schön’ und gleichzeitig ‘N.’ gennant, wobei ‘N.’ hier ihre Position als minderwertig markiert.
Rassismus ist nicht biologisch, er funktioniert durch Diskurse, durch Worte und durch eine Reihe von Entsprechungen, welche Identitäten aufrechterhalten. ‘N.’ zu sein ist also nie nur ‘Schwarze’ zu sein, sondern auch allen anderen Analogien, die der Funktion des Begriffs entsprechen.
III. GEGENWART vs. VERGANGENHEIT
Diese Beschimpfung ist wie eine mise-en-scéne, wo weiße zu symbolischen HerrscherInnen und Schwarze durch Demütigung, Verletzung und Ausgrenzung zu figurativen Sklaven degradiert werden. Es gibt eine Schande-Stolz Dynamik in dieser kolonialen Beziehung: Während die Schwarze Frau erniedrigt und beleidigt wird, hat das weiße Subjekt die Möglichkeit, Ehre und Macht zu entwickeln, was jedoch nur durch die direkte Degradierung der Ersteren ermöglicht wird.
Die Zeitlosigkeit dieser Szene ist das vierte Element eines Traumas, da Gegenwart und Vergangenheit sich vermischen. Plötzlich wird die Vergangenheit zur Gegenwart und die Gegenwart wird erlebt, als ob man/frau in der Vergangenheit ist. Auf einmal ist Kathleen wieder eine ‘N.’, so wie sie es in der Vergangenheit bereits gewesen war. In einem Szenario der Gegenwart wird sie in einer kolonialen Szene positioniert.
IV. NEID und BEGEHREN
Daher formuliere ich den oben geschriebenen Satz noch einmal neu: Nicht nur süße und bittere Worte machen es schwer, Rassismus zu identifizieren; sondern das Spiel mit süßen und bitteren Worten ist eine Form, in der Rassismus produziert wird. Die Schwierigkeit, Rassismus zu identifizieren, ist nicht nur funktional für Rassismus, sondern ein Teil des Rassismus selbst.
V. DER UNBESCHREIBLICHE SCHMERZ des RASSISMUS
Es war genau das mündliche Äußern des N-Wortes und die gesamte Bedeutung dahinter, die Kathleen schockierte und alarmierte. Ich spreche von Alarm, weil das N-Wort so effizient und so gewalttätig den Terror der rassistischen Unterdrückung beschreibt und die Erinnerung an Schmerzen hervorrruft – und damit das dritte Element von Trauma beschreibt. D.h. die Idee einer unbeschreiblichen Wunde, die psychologische Narben in Form von Ängsten, Alarmsignalen, Alpträumen und Flashbacks oder zusätzliche körperlich Auswirkung hat.
Das Bedürfnis, die psychische Erfahrung von Rassismus auf den Körper zu transferieren, enthüllt die Idee, das es keine Worte gibt, einen solchen Schmerz zu beschreiben – man/frau ist einfach sprachlos. Die Sprache von Traumata ist also visuell, graphisch und physich. Sie artikuliert den unmittelbaren Effekt von Schmerz.
Der Schwarze Psychoanalytiker Frantz Fanon (1968), z.B. beschreibt seine eigenen Rassismuserfahrungen als eine Amputation, als einen Schnitt oder eine Blutung – um in Bildern die Gewalt, den Verlust und das Trauma von Rassismus zu benennen.
VI. DAS THEATER DES RASSISMUS
Hier beschreibt Kathleen das Szenario, in dem Rassimus aufgeführt wird, und wo jeder eine spezifische Rolle hat: das weiße Kind als ”Aggressor”, sie, die Schwarze Frau, als Angegriffene, und der weißer Freund und die weiße Mutter als BeobachterIn.
Es ist eine typische Dreieckskonstellation von Rassismus. Ich nenne es die Triangulation von Rassismus, wegen seiner drei Rollen und den drei verschiedenen Funktionen, die Rassismus möglich machen: (1) der/die Akteur/in, der/die Rassismus spielt; (2) der/die Akteur/in, der/die Rassismus erlebt und; (3) den dominanten Konsens in der Öffentlichkeit, der diese Ausübung von Rassismus ‘stillschweigend’ anschaut und ermöglicht. D.h. Dominanz versus Isolation.
Ich frage mich, was passiert wäre, wenn in diesem Raum nicht eins, sondern drei oder vier Schwarzen Personnen anwesend gewesen wären. Ich frage mich, ob das Mädchen genau das selbe sagen würde. Nicht, weil sie als weiße ihre Machtposition verlieren würde, sondern weil das dritte Element, der weiße Konsens, nicht mehr präsent wäre. Das bedeutet, dass ihre Worte nicht mehr als akzeptabel und harmlos für ihr neues Publikum wahrgenommen werden.
VII. VERNEIGUNG und DOMINANZ Natürlich könnte man festellen, dass das junge weiße Mädchen, ein Kind, weder rassistisch noch brutal ist, da sie ja nur neugerig ist und keine schlechten Absichten hat. Jedoch müssen wir uns fragen: Warum wird die Erfahrung der Schwarzen Frau als irrelevant oder peripher betrachtet und das weiße Mädchen verbleibt im Zentrum des Interesses? Ist das eine Strategie, um die Schwarze Perspektive und Erfahrung als bedeutungslos darzustellen? Oder ist es gar eine Form der Legitimierung von Rassismus? Sollten wir uns nicht fragen, warum es leichter erscheint mit dem abfällig redenden weißen Mädchen zu sympathisieren, als mit der Schwarzen Frau, welche gedemütigt wurde? Wir sollten auch fragen, ob jene, die das kleine Mädchen verteidigen, auf subtile Weise nicht eigentlich sich selbst verteidigen, denn ist nicht das, was die Kinder sagen, Teil der Ansichten ihrer Eltern?
Die InformantInnen oder BeobachterInnen sind damit spezielle BeobachterInnen, da die Mutter versucht ihre eigene Tochter zu erziehen. Das ist eine peinliche Situation für Kathleen, die unter weißen Augen seziert wird. Peinlich deshalb, weil sie zuerst ein Objekt weißer Verachtung und Beschimpfung ist, und dann ein Objekt pädagogischer Belehrung, durch die das kleine Mädchen etwas über die Völker dieser Welt lernen soll. In beiden Rollen dient Kathleen den weißen ZuschauerInnen als Objekt.
Die Verwendung von ‘Multi-Kulti’ Argumenten, wie ”das alle verschieden seien, dass es Schwarze gäbe und auch Juden, und dass dies die Welt großartig macht” unterstützt die Weltsicht des kleines Mädchens: dass es wohl nett sein muss, eine ‘N.’ zu sein.
Hier werden Differenzen zwischen Menschen in ästhetischen Begriffen erklärt und nicht als ein Prozess der Rassifizierung, in dem Macht, Ausgrenzung, Demütigung und Beschimpfung verwendet werden. Das kleine Mädchen lernt, dass Andere nicht dadurch verschieden werden, dass sie verschieden behandelt werden, sondern weil sie anders ausehen.
Dann mag das klingen, als ob das Hauptproblem des Rassismus die Unterschiede zwischen Menschen seien bzw. die Präsenz dieser Unterschiedlichkeit. Tatsächlich ist es umgekehrt: Menschen werden durch Diskriminierungsprozesse und Ungleichbehandlung zu Abweichenden gemacht – deswegen ”Don’t You Call Me ‘N.’!”
Literaturverzeichnis
GradaKilomba©
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